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Beitrag vom 19.1.2012

Die Frau Sopherl und das Zeitungspapier

... oder: Auch die Bengel essen Bohnen

Gern blättert sie in ihrer Morgenzeitung, die Frau Sopherl, der klein-, groß- oder mittelformatigen, und liest mit schon bekannter Begeisterung, was darin aus der weiten und weniger weiten Welt vor ihren Pupillen ausgebreitet wird.

Und irgendwie hat sie sich schon daran gewöhnt, dass in den Blättchen außer dem Breitwandstrahlen des Doktor ML - nein, das ist kein Kaugummi - und seinen immer wiedergekäuten Frohbotschaften über die neuesten Errungenschaften bei Wiener Wohnen, der besten Hausverwaltung unter dem Regenbogen, normalerweise nichts verlautet, über das, was im Gemeindebau die Gemüter so tagtäglich in Wallungen versetzt.

Rein gar nichts!

Aber das überrascht sie nicht, die Frau Sopherl. Wo sie doch von ihrer Nachbarin drei Häuser weiter, der alten Gatschn, und aus ähnlichen bekannt bestinformierten Quellen vernommen hat, dass es eine Art Nachrichtensperre darüber gibt. Quasi einen chefredaktionellen oder gar verlegerischen Maulkorb für übereifrige Journalisten, die meinen, einem hoch- und nahe-stehenden Stadtpolitiker oder Wien-Beamten unbedingt den Nerv ziehen zu müssen.

Was ihr vielmehr ab und zu das Augenbrauerl hochzieht, das penibel gezupfte, ist der Umstand, dass sich ab und zu doch ein kritisch angehauchtes Berichterl in die Druckwerke verirrt. Eh keine mordstrumm Bombe, die alles um sich in Stücke reißt, aber doch immerhin ein kleines Stinkbomberl. Das findet sie ab und zu zwischen den Zeilen, die Frau Sopherl.

Und sie fragt sich, wie das kommt!

Natürlich könnt’s sein, dass der eine oder andere Zeitungsmacher – eh nicht alle – drauf Wert legt, wenigstens den Anschein zu wahren. Wenigstens manchmal so zu tun, als gehöre man immer noch zur freien und unabhängigen Presse. Wie das früher einmal war – bei manchen, eh nicht allen. Dass man zumindest an Lotterie-verlosten Tagen so tut, als würde man den Dingen wirklich auf den Grund gehen. „Investigativ“, so sagt man dazu, wenn man sich unbedingt den Zungenansatz brechen will.

Es könnt aber auch sein ... die Frau Sopherl grübelt wieder einmal ... diese Falten, nein, schon Furchen auf der Stirn, ... so längs und quer, ... na, Sie wissen ja ...

Kennen Sie den Film, mit dem Dicken und dem Coolen, der in den Zwanziger-Jahren spielt? Mit dem Bud Spencer und ... nein, nicht dem Terence Girotti, oder wie der heißt, ... wer war das noch mal schnell? Ah ja, der Giuliano Gemma! Auch die Engel essen Bohnen“, so hat der Film geheißen. Jetzt fällt es der Frau Sopherl wieder ein.

Da haben sich die beiden doch glatt der Mafia angedient und sind als Geldeintreiber bei den Schützlingen aufmarschiert, wenn die nicht gespurt haben. Klar haben die beiden, der Dicke und der Coole, niemanden verprügelt oder gar gekillt deswegen. Im Gegenteil! Beschenkt haben sie die armen Leute, deren Baby nur mehr einen zig-fach schon verdauten Pfirsichkern zum Lutschen hatte.

Aber das ist ja nur ein Film.

Leider!

Wie, so fragen Sie sich grad wohl, kommt die Frau Sopherl ausgerechnet jetzt ausgerechnet auf diesen alten Zelluloid-Hadern?

Na ja, weil es ja auch sein könnte, ... oder nicht, ... oder doch, ... dass, ...

„Glatte Rechnung, gute Freundschaft“ heißt es doch. Wobei eine sehr glatte Rechnung auch eine sehr gute Freundschaft ergibt? Oder zumindest medienpolitisch ergeben kann? Das fragt sie sich halt, die Frau Sopherl.

Und „Ohne Geld kaaa Musi“ heißt es auch. Mit viel Geld viel Musi? So umgekehrt betrachtet?

Der Frau Sopherl drängen sich daher so einige Berichte aus der letzten und vorletzten Zeit ins Dachgebälk, ins graue. Über Inserate, Geldbeträge dafür, und was man über solche lieber nicht breit diskutieren möchte.

Sie erinnert sich dabei an so manches, wo sie neben dem Zeitungsartikel das Wörterl Werbung oder Anzeige gelesen hat. Oder unterhalb, oder sonst wo. Oder auch gar nicht.

Viel Geld, viel willkommener Rückenwind? Aber natürlich! Dazu ist die Werbung in den Medien ja da.

Viel Geld, kein unwillkommener Gegenwind? Das auch?

Die Frau Sopherl kommt ins Grübeln und sucht verzweifelt nach Gründen, warum dies auszuschließen wäre.

Vergeblich.

Aber immer noch steht groß und mächtig die Frage im Zimmer herum, was das alles mit diesem alten Zelluloid-Hadern zu tun hat.

Man stelle sich vor – nur hypothetisch natürlich, da würde wirklich der Eine oder die Andere viele, viele Scheinchen in die Hand nehmen, damit der eine Artikel oder die andere Meldung in der Schublade bleibt, in der chefredaktionellen. Weil das mit der Rückenwind-Werbung irgendwie nicht unter einen Hut passt. Nicht einmal unter einen großen. Auch wenn er noch so viele Löcher hat.

Wäre es dann nicht, der Handlung des alten Zelluloid-Hadern entsprechend, denkbar, dass der Herr Verleger oder die Frau Chefredakteurin in der Folge genau dann ihre investigativen Berichterstatter von der Kette lassen, wenn der Eine oder die Andere mit den Unkostenbeiträgen in Verzug gerät und die Zahlungsmoral am Boden schleift?

Zeigen diese Journalisten dann einmal kurz und schmerzhaft auf, wie man AUCH recherchieren und berichten könnte – über den Einen oder die Andere? Genau so, wie im Film der coole Sonny und der brummige Charlie bei den Schutzbefohlenen aufmarschieren, nur halt nicht so gutmütig?

So gutmütig nicht, aber dafür womöglich viel erfolgreicher!

Und das deswegen, weil wir, die Schutz und Hilfe Suchenden, die Druckmaschinen als quasi Bleispritzen scharf geladen haben, die dem Einen oder der Anderen an den Wanst gehalten werden?

So wirklich gefällt der Frau Sopherl diese Vorstellung gar nicht.

Deswegen blättert sie lieber um.

 

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